Nico/NLE

Interview mit Herrn Zimmermann, Nico Feuerwerk, während des Pyroforums 2014 in Witten
BVPK: Herr Zimmermann, bitte stellen Sie doch kurz die beiden Unternehmen Nico Feuerwerk GmbH und Nico NLE vor.Worin unterscheiden sie sich?

Zimmermann: Ja, das mache ich gerne. Mit Nico Pyrotechnik startete das Unternehmen. Daraus wurde dann Nico Feuerwerke GmbH und parallel NICO-NLE Lünig Event GmbH (NLE)gegründet,
nachdem das Unternehmen Lünig KG eingeflossen war. NLE befasst sich mit dem Import und Vertrieb von Großfeuerwerkskörpern. Des Weiteren ist NLE für die Durchführung von eigenen Feuerwerken
verantwortlich. Mit NLE hatte Nico auch noch eine Produktionsstätte in Stuttgart, deswegen sind die
Produktentwicklung und Qualitätssicherung dort angesiedelt. Die Nico Feuerwerk GmbH kümmert sich hauptsächlich um das Geschäft mit den großen Filialketten, da hier eine andere Logistik dahinter steht. Auch müssen die Mitarbeiter hier viel mehr Arbeit im Hintergrund leisten. Kurz gesagt bei dem einen liegt der große Umsatz beim anderen das Know-how.
BVPK: Wie teilt sich denn das Geschäft bezüglich Silvesterfeuerwerk und Großfeuerwerk auf?
Zimmermann: Wenn man beide Firmen zusammen nimmt, ist das Consumer-Feuerwerk der große Brocken. Wir haben aber auch noch das Großfeuerwerk, das wir mit einem sehr ordentlichen
Sortiment betreiben. Zusätzlich betätigen wir uns mit dem Export, über den wir Länder wie die Schweiz, Österreich, Rumänien, Slowenien, etc. beliefern. Teilweise wird die Ware hierfür direkt in
Fernost komplett fertig produziert oder sie wird in Deutschland mit der passenden Sprache versehen.
BVPK: Gibt es noch Produktionsstandorte in Deutschland?
Zimmermann: Nein, nach dem Ausstieg aus der Nico
Pyrotechnik und der Übernahme durch die Rheinmetall, die uns
an die heutigen Inhaber verkauft hat, gibt es keine Produktionsstätten mehr. Wirhaben allerdings einen Partner
in Fernost, der dort eine Großfeuerwerksfabrik hat und
sind dadurch gut aufgestellt.
BVPK: Wie hoch ist der Kosten- und Zeitaufwand einen Artikel zuzulassen?
Zimmermann: Teuer ist es sicherlich. Die CE-Zertifizierung ist ein bürokratischer Akt der bei der BAM, bzw. einer anderen notifizierten Stellen durchgeführt werden muss. Hier differieren die Preise stark zwischen den Ländern in denen die Stellen sitzen. Des Weiteren müssen noch Transport- und Lagergruppenzuordnungen und eine Identnummer beantragt werden. Den genauen Preis kann ich Ihnen nicht nennen, es muss aber schon ein gewisser Umsatz dahinterstecken, damit sich der Aufwand lohnt.
BVPK: Anfang des Jahres hat die EU-Kommission die EU gerügt wegen der BAM-ID. Wie ist Ihre Einschätzung zu diesem Thema?
Zimmermann: In vielen Staaten der EU gibt es nationale Besonderheiten. So dürfen in Deutschland Batterieverbünde verkauft werden, im Rest der EU nicht. Dafür sind wiederum in Deutschland Raketen mit mehr als 20 g NEM für den Endverbraucher verboten. Hier sollte man schon wissen,
welcher Artikel in welchem Land wie verkauft wird. Mir würde allerdings eine Anzeige ohne Gebühr reichen.
BVPK: Herr Kurth von der BAM hat aktuell mitgeteilt das die ID in veränderter Form bleiben wird.Diese muss z. B. nicht mehr auf der Verpackung aufgedruckt sein.
Zimmermann: Ich bin ja ein Befürworteter der ID und wir werden sie, wenn wir diese ID rechtzeitig haben, auch aufdrucken. So kann der Verbraucher immer noch am einfachsten feststellen ob der
Artikel in Deutschland zugelassen ist. Ein weiteres Problem ist die Nachprüfbarkeit bei Stellen im Ausland. Hier ist es fast unmöglich Aussagen zu bekommen ob eine CE gefälscht ist oder nicht. Es gibt
hier noch kaum nachvollziehbare Internetseiten wie bei der BAM wo die Daten zugänglich sind.
BVPK: Welche Regelungen müssten geändert werden um das Geschäft zu erleichtern? Sollte die DreiTage-Regelung
aufgehoben werden?
Zimmermann: Da ich auch ein Verfechter der Drei-Tage-Regelung bin, muss man das meiner Meinung nach nicht ändern. Sonst wäre sicherlich der Hype zu Silvester nicht mehr so groß. Einen weiteren
Zeitraum, an dem Feuerwerk abgebrannt werden kann, wie z. B. der Tag der Deutschen Einheit, halte ich nicht für sinnvoll.
BVPK: Und aus logistischen Gründen, für Sie als Unternehmen?
Zimmermann: Wir haben uns ja darauf eingestellt. Mit unseren logistischen Partnern zusammen sind wir extrem flexibel. Das Einzige, was uns immer wieder vor Probleme stellt, ist wenn Ware zu spät ankommt. Aber auch da sind wir sehr effizient Lösungen zu finden.
BVPK: Mit der EU-Harmonisierung ist auch die Kat. 3 in Deutschland wieder interessant geworden, wie ist Ihr Einschätzung wie sich der Markt entwickeln wird?
Zimmermann: Wir haben bereits Kat. 3 Feuerwerk, dass wir mit unserer befreundeten Firma Bright Star in Dänemark und mit Nico in der Schweiz vertreiben. Hier kann die Kat. 3 einfacherer verkauft
werden. In Deutschland ist wegen der unklaren Abgaberegelungen noch kein großer Markt vorhanden.
BVPK: Sehen Sie Kat. 3 Feuerwerk eher als Profifeuerwerk oder als „Consumer Plus“ Feuerwerker?
Zimmermann: Wir haben versucht das Ganze in den Consumerbereich zu bringen. In der Kat. 3 sind höhere
NEM erlaubt und sie können auch einen Satz mit größeren Blitzsatzanteil verwenden. Nichtsdestotrotz macht die gesamte Ausführung die Artikel für den Consumer sicher, wie z. B. bei der Standfestigkeit.
Damit die Artikel auch für den Profi interessant sind,
haben wir die Anzündschnüre teilweise nach obenverlegt.                        So ist das spätere Verzündern leichter.

BVPK: Seit 2006/2007 dürfen auch die Chinesen privat Feuerwerk abbrennen. Hat das negative Auswirkungen für den Export nach Deutschland?

Zimmermann: Nein. Der Abbrand ist in den großen Städten immer noch verboten. Außerdem wird für den inländischen Markt sehr gleichförmige Ware produziert. Da es so viele chinesische Fabriken gibt, von denen jede einen kleinen Teil für das Inland produziert,
gibt es da keine Probleme.

BVPK: Ist umweltfreundlicheres Feuerwerk ein Thema für Nico? Z.B. Feuerwerk aus recyceltem Material?
Zimmermann: Die Papphülsen für das Feuerwerk sind bereits fast komplett aus recyceltem Material. Zusätzlich überprüfen wir selbstverständlich, dass keine verbotenen Chemikalien verwendet werden. Dies birgt einen enorm hohen Aufwand.
BVPK: Was sagen Sie zu dem Argument der „Feuerwerksgegner“ bzgl. der Feinstaubbelastung?
Zimmermann: Ich bringe da immer gerne das Beispiel von Hamburg. Durch die Schiffe gibt es dort immer eine sehr hohe Belastung, die haben das Glück, dass es an der Küste genug Wind gibt. Da
macht die Wolke von Silvester nicht viel aus.
BVPK: Ein Argument gegen Feuerwerk unter dem Jahr ist immer die Lautstärke. Wäre da nicht eine
Kennzeichnung leiseren Feuerwerks sinnvoll?
Zimmermann: Ja, wir haben tatsächlich bereits seit Jahren eine Kennzeichnung in unserem Katalog.
Lautes Feuerwerker ist mit einem Icon „Ohr“ gekennzeichnet. Früher waren unsere Zerlegungen ausschließlich mit Schwarzpulver. Der Verbraucher kauft leider nur die lauten Batterien und daher haben wir alle Batterien auf den 5%igen Flash-Anteil umgestellt. Auch bei den 5 % gibt es Toleranzen,
die von einigen Firmen sehr weit nach oben „toleriert“ werden.      Das erkennt man leicht daran, dass einige Batterien jetzt in 1.3G klassifiziert werden. Ich mag diese lauten Effekte nicht, der Flashsatz macht viele Effekte kaputt. Ich persönlich brauche das nicht. Da bestimmt aber der Verbraucher den Markt.

BVPK: Im Rückblick auf die letzten 10 Jahre, was hat den Markt geprägt?

Zimmermann: Das muss so 1997 gewesen sein, da haben wir angefangen kombinierte Artikel auf den  Markt zu bringen. Das hieß damals schon „First Class“ und wurde in Deutschland in der Silberhütte und bei Lünig hergestellt. Gebündelte Raketenrohre und Raketen in einem Abschussständer usw. Das war sehr teuer, aber der Verbraucher hat das angenommen. Nachdem aber Lidl als erster Discounter Batteriefeuerwerk in das Programm genommen hat, war die Produktion in Deutschland nach 2 Jahren schon wieder zu. Man kann aber schon sagen, dass das Batteriefeuerwerk den Markt geprägt hat wie kein anderes Produkt.
BVPK: Wohin wird sich ihrer Meinung nach sich das Feuerwerk entwickeln?
Zimmermann: Momentan sieht es so aus, dass durch den hohen Discounteranteil die Qualität des Feuerwerks sinkt. Nicht in Bezug auf die Sicherheit, aber in Bezug auf den Effekt. Es wird viel nur noch
über die Verpackung verkauft und gekauft. Das qualitativ  Hochwertige Feuerwerk wird immer mehr ein Nischenprodukt. Wir haben versucht, uns diesem Trend zu entziehen, können das aber auch nicht immer tun, da wir Umsätze mit den größeren Handelsketten benötigen um weiter Qualitätsfeuerwerk
auf den Markt bringen zu können. Qualität wird sich nur durchsetzen können, wenn der Verbraucher das auch honoriert. Hier sollte darauf geachtet werden keine „Blender“ zu kaufen. Sonst ist der Verbraucher in der nächsten Generation enttäuscht und sagt das Feuerwerk nur noch schlecht ist. Ich wünsche mir hier insbesondere mehr Aufklärungsarbeit der entsprechenden Verbände. Im Kat.-4-Bereich wird es große Anstrengung geben auf die CE-Zertifizierung umzusteigen und dabei nicht nur
auf Billig-CE-Ware von chinesischen Anbietern zu setzen. Klar müssen wir hier eine Menge Marketing betreiben um zum Erfolg zu kommen.
BVPK: Vielen Dank für das Gespräch.
Zimmermann: Gerne.